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Fossile und rezente Seeigel

Über 800 Seeigelarten

Die ersten Seeigel stammen aus dem Ordovizium. Auch heutzutage kommen sie noch vor. Sie gehören im Stamm der Echinodermata (Stachelhäuter) zur Klasse der Echinoidea. Weltweit sind über 800 Arten bekannt. Einige dieser Arten kommen an der niederländischen Küste und an der belgischen Küste vor. Beispielsweise der Echinocyamus pusillus ('zeeboontje' auf holländisch), ein Seeigel nicht größer als 1 cm. Die Gehäuse (ohne die Stacheln) können massenhaft anspülen.

Echinocyamus pusillus ('zeeboontje' auf holländisch), an der niederländischen Küste von Zeeland gefunden. Reihen mit ambulakralen und interambulakralen Platten bei Echinocorys humilis. Echinocorys humilis aus der Oberkreide (Campan) bei Coesfeld (Dld).
Echinocyamus pusillus ('zeeboontje' auf holländisch), an der niederländischen Küste von Zeeland gefunden Reihen mit ambulakralen und interambulakralen Platten bei Echinocorys humilis Echinocorys humilis aus der Oberkreide (Campan) bei Coesfeld (Dld)  Größter Durchschnitt: 65 mm

Wie sehen Seeigel aus?

Wie der Name schon vermuten läßt, leben Seeigel im Meer. Meistens haben sie eine halbkugelige Form, eine Herzform oder eine abgeflachte Form. Ihre Größe variiert meistens von etwa 1 bis 15 cm, aber es gibt auch größere Arten. Eigentlich besteht das Skelett dieser Tiere aus einem harten Gehäuse aus Calcit, das aus zehn Reihen von Doppelplättchen aufgebaut ist. Das sind die ambulakralen und die interambulakralen Zonen. Von beiden hat der Seeigel fünf. Die verschiedenen Plättchen sind verwachsen. Auf dem Gehäuse befinden sich Stacheln, Pedizellarien und Statozysten (Gleichgewichtsorgane). Bei bestimmten Seeigelarten gibt es deutliche Warzen, woran diese angeheftet sind. Der Seeigel kann die Stacheln bewegen; sie dienen hauptsächlich zum Schutz. Bei bestimmten Seeigelarten können sie auch der Fortbewegung und dem Beutefang dienen. Bei anderen Arten, die im Meeresboden leben, können die Tiere damit im Sediment graben oder sich ins Sediment hineingraben. Die Stacheln eines Seeigels werden in Hauptstacheln und Sekundärstacheln aufgeteilt. Die Hauptstacheln sind die Größten. Wir finden sie auf den Interambulakralplatten. Die kleineren Sekundärstacheln befinden sich sowohl auf den Interambulakralplatten, als auf den Ambulakralplatten. Die Pedizellarien finden wir selten bei fossilen Seeigeln. Das Tier benutzt sie zur Reinigung seines Gehäuses und um Parasiten zu entfernen. Die Statozysten finden wir auf den Ambulakralplättchen.

Hemipneustes striatoradiatus ist ein irregulärer Seeigel (Oberkreide - Maastrichtium) aus Süd-Limburg (Nl). Die Poren im Gehäuse deuten die Stellen an, wo sich die Podien befunden haben. Die Warzen sieht man gut bei Hemicidaris crenularis (Jura - Malm) aus Novion Porcien (Fra). Echinocorys scutala ist ein irregulärer Seeigel wobei Mund und After sich auf der Unterseite befinden (Oberkreide - Campan) aus Hannover (Dld).
Hemipneustes striatoradiatus ist ein irregulärer Seeigel (Oberkreide - Maastrichtium) aus Süd-Limburg (Nl). Die Poren im Gehäuse deuten die Stellen an, wo sich die Podien befunden haben. Die Warzen sieht man gut bei Hemicidaris crenularis (Jura - Malm) aus Novion Porcien (Fra)
Größter Durchschnitt: 28 mm
Echinocorys scutala ist ein irregulärer Seeigel wobei Mund und After sich auf der Unterseite befinden (Oberkreide - Campan) aus Hannover (Dld)  Größter Durchschnitt: 60 mm
    
Auf dem Gehäuse befinden sich auch kleine Poren. Kleine Füßchen können durch diese Poren hinausbewegt werden. Diese Füßchen haben mehrere Funktionen. Sie können z.B. der Fortbewegung dienen. Manchmal haben die Füßchen Saugnäpfchen, mit denen das Tier sich am Meeresboden befestigen kann. Letzteres ist besonders wichtig bei Seeigeln, die in der Brandung leben. Weiterhin besitzt das Tier einen Mund und einen After, aber diese befinden sich nicht bei allen Arten an der gleichen Stelle. Bei den regulären Seeigeln befindet sich der Mund in der Mitte auf der Unterseite und der After auf der Mitte der Oberseite. Bei den irregulären Seeigeln befinden sich sowohl der Mund als der After auf der Unterseite. Der Mund befindet sich nicht unbedingt in der Mitte. Die meisten Seeigel haben einen kräftigen, schnabelartigen Kieferapparat (Laterne des Aristoteles). Dieser Kieferapparat besteht aus einen großen Anzahl von Einzelelementen. Dazu gehören auch die Zahnplatten. Weil diese Zahnplatten während des Gebrauchs verkürzen, wird immer neues Plattenmaterial angefertigt. Weil die Kieferapparate aus so vielen Einzelelementen bestehen, fossilisieren sie nur selten.

Anatomie eines Seeigels
Anatomie eines Seeigels

Im Seeigel befindet sich auch der Verdauungskanal, der vom Mund bis zum After läuft und ein Wassergefäßsystem. Auch befinden sich hier unter anderem die Fortpflanzungsorgane, die Gonaden. Aus diesen Gonaden werden einige Male pro Jahr die Samenzellen und Eizellen ins Meereswasser abgegeben. Dort findet die Befruchtung statt.

Rezente reguläre Seeigel. Links die Unterseite mit dem Mund, rechts die Oberseite mit dem After. Fossiler irregulärer Seeigel aus Feuerstein. Seeigel aus Feuerstein und dessen Abdruck in Feuerstein.
Rezente reguläre Seeigel. Links die Unterseite mit dem Mund, rechts die Oberseite mit dem After. Fossiler irregulärer Seeigel aus Feuerstein Seeigel aus Feuerstein und dessen Abdruck in Feuerstein

recente zee-egels
Gehäuse von rezenten Seeigeln wovon einige noch Stacheln haben. Nadellänge: 3 cm.

         
Was essen Seeigel und wo kommen sie vor?

Reguläre Seeigel finden wir meistens auf dem harten, felsenartigen Meeresboden. Oft sind es Pflanzenfresser oder Allesfresser, die manchmal sogar kleine, lebendige Beutetiere erwischen. Irreguläre Seeigel leben meistens ganz oder teilweise im Sediment auf dem Meeresboden. Zur Ernährung essen sie dieses Sediment. Dabei verdauen sie die organischen Teilchen aus dem Sediment. Die unverdauten anorganischen Teilchen werden wieder durch den After entfernt.

Clypeaster scillae Conoclypeus conoicleus ist ein sehr großer Seeigel. Conoclypeus conoicleus. Bitte beobachten Sie den Kieferapparat.
Clypeaster scillae aus dem Tertiär - Miozän
Größter Durchschnitt: 100 mm
Conoclypeus conoicleus ist ein sehr großer Seeigel aus dem Tertiair - Eozän
Größter Durchschnitt: 167 mm
Conoclypeus conoicleus. Bitte beobachten Sie den Kieferapparat.
(St. Pankraz/Salzburg - Ősterreich)

Indem wir rezente Seeigel untersuchen, versuchen wir einen besseren Eindruck vom Leben der fossilen Arten zu bekommen. Heutzutage leben die meisten Seeigel in untiefen Meeren, wo sie oft massenhaft vorkommen können.

Innenansicht des Kieferapparates eines Clypeasters aus dem Tertiär - Miozän (Calabriën - Italiën). Micraster glyphus aus der Oberkreide - Campan ist ein herzförmiger Seeigel (Hannover - Dld). Dieser zersägte Seeigel befindet sich im Kalkstein, die für den Bau der Basilik von Tongeren in Belgien benutzt wurde.
Innenansicht des Kieferapparates eines Clypeasters aus dem Tertiär - Miozän (Calabriën - Italiën) Micraster glyphus aus der Oberkreide - Campan ist ein herzförmiger Seeigel (Hannover - Dld). Größter Durchschnitt: 70 mm Dieser zersägte Seeigel befindet sich im Kalkstein, die für den Bau der Basilik von Tongeren in Belgien benutzt wurde.
         
Eupatagus antillarum Seeigel Micraster gibbus Seeigel Micraster mengandi Seeigel
Eupatagus antillarum aus dem Tertiär  - Miozän (Florida - USA)
Größter Durchschnitt: 60 mm
Micraster gibbus aus der Oberkreide - Campan (Hannover- Dld)
Größter Durchschnitt: 46 mm
Micraster mengandi aus der Oberkreide - Santon (Pamplona - Spanien)
Größter Durchschnitt: 41 mm

Micraster leskei Seeigel Holaster subglobosus Seeigel Echinolampas pyguroides
Micraster leskei aus der Oberkreide - Turon (Wüllen/Ahaus - Dld)
Größter Durchschnitt: 56 mm
Holaster subglobosus aus der Oberkreide - Cenoman (Frankreich)
Größter Durchschnitt: 38 mm
Echinolampas pyguroides aus dem
Tertiär - Miozän (Sevilla - Spanien)
Größter Durchschnitt: 125 mm

Seeigel Cassidulus gouldi Seeigel Clypeaster rosaceus Seeigel Echinolampas ovalis
Cassidulus gouldi aus dem
Tertiär - Miozän (Florida - USA)
Größter Durchschnitt: 41 mm
Clypeaster rosaceus kommt sowohl rezent als versteinert vor (Florida - USA)
Größter Durchschnitt: 162 mm
Echinolampas ovalis aus dem
Tertiär - Miozän (Medoc - Frankreich)
Größter Durchschnitt: 51 mm

Seeigel Schizaster ambulacrum Seeigel Scutella subrotunda Seeigel Crassiholaster subglobosus
Schizaster ambulacrum aus dem
Tertiär - Eozän (Verona - Italien)
Größter Durchschnitt: 50 mm
Scutella subrotunda aus dem
Tertiär - Miozän (Valréas - Frankreich)
Größter Durchschnitt: 75 mm
Crassiholaster subglobosus aus der Oberkreide - Cenoman (Dörenthe - Dld)  Größter Durchschnitt: 58 mm

Seeigel Echinanthus cuvieri Zee-egel Phymechinus mirabilis
Echinanthus cuvieri aus dem
Tertiär - Eozän (Kressenberg- Deutschland)
Größter Durchschnitt: 55 mm
Phymechinus mirabilis aus dem Mitteljura (Ober- und Unterseite)
(Novion-Porcien - Frankreich)
Größter Durchschnitt: 44 mm

Zee-egel Isomicraster stolleyi Zee-egel Clypeus ploti
Isomicraster stolleyi aus der Oberkreide - Campan
(Misburg - Deutschland)
Größter Durchschnitt: 40 mm
Clypeus ploti aus dem Mitteljura (Ober- und Unterseite)
(Jaulny - Frankreich)
Größter Durchschnitt: 88 mm

Zee-egel Micraster brevistella Zee-egel Conoclypeus vilanovae
Micraster (Diplodetus) brevistella aus der Oberkreide - Campan (Coesfeld - Dld)
Größter Durchschnitt: 42 mm
Conoclypeus vilanovae aus dem Tertiär - Eozän (Ober- und Unterseite)
(Caloosa - Spanien)
Größter Durchschnitt: 49 mm

Zee-egel Tetragamma variolaris Zee-egel Echinocorys conica
Tetragamma variolaris aus der Oberkreide - Cenoman (Teruel - Spanien)
Größter Durchschnitt: 30 mm
Echinocorys conica aus der Oberkreide - Cenoman (Ober- und Unterseite)
(Höver - Deutschland)
Größter Durchschnitt: 46 mm

Zee-egel Dendraster gibbsi Zee-egel Echinocorys gravesi
Dendraster gibbsi aus dem Pliozän/Pleistozän
(Kalifornien - USA)
Größter Durchschnitt (Exemplar oben): 48 mm
Echinocorys gravesi aus der Oberkreide - Turon (Ober- und Unterseite)
(Wüllen - Deutschland)
Größter Durchschnitt: 40 mm

Zee-egel Collyrites elliptica Zee-egel Glypticus hieroglyphicus
Collyrites elliptica aus dem Mitteljura
(Le Mans - Frankreich)
Größter Durchschnitt: 37 mm
Glypticus hieroglyphicus aus dem Mitteljura (Ober- und Unterseite)
(Novion-Porcien - Frankreich)
Größter Durchschnitt: 25 mm

fossiele zee-egels
a) Collyrites dorsalis - Mitteljura/Callovium - Montagne-au-Perche (Frankreich) -  größter Durchschnitt: 27 mm
b) Acrosalenia sp. - Oberjura - Boulogne-sur-Mer (Frankreich) - größter Durchschnitt: 33 mm
c) Collyrites dorsalis - Mitteljura/Callovium - Montagne-au-Perche (Frankreich) - größter Durchschnitt: 30 mm
d) Collyrites elliptica - Mitteljura/Callovium - Montagne-au-Perche (Frankreich) - größter Durchschnitt: 26 mm
e) Collyrites dorsalis - Mitteljura/Callovium - Montagne-au-Perche (Frankreich) - größter Durchschnitt: 35 mm
f) Echinocorys obliqua - Tertiär/Paläozän - Mors (Dänemark) - größter Durchschnitt: 38 mm
g) Loriola inaequalis - Mitteljura/Callovium - Chemilli (Frankreich) - größter Durchschnitt: 16 mm
h) Goniopygus royanus - Kreide/Campan - Brie-sous-Archiac (Frankreich) - größter Durchschnitt: 18 mm
i) Pliotoxaster comanchei - Kreide/Albium - Coryell County (Texas - USA) - größter Durchschnitt: 31 mm
j) Holectypus depressus - Mitteljura/Callovium - Degré (Frankreich) - größter Durchschnitt: 31 mm

fossiele zee-egels
a) Cidaris subvesiculosa - Kreide/Campan - Brie-sous-Archiac (Frankreich) - größter Durchschnitt: 42 mm
b) Micraster decipiens - Kreide/Turon - Dieppe (Frankreich) - größter Durchschnitt: 42 mm
c) Cidaris subvesiculosa - Kreide/Campan - Brie-sous-Archiac (Frankreich) - größter Durchschnitt: 35 mm
d) Phymosoma magnificum - Kreide/Campan - Brie-sous-Archiac (Frankreich) - größter Durchschnitt: 27 mm
e) Phymosoma magnificum - Kreide/Campan - Brie-sous-Archiac (Frankreich) - größter Durchschnitt: 38 mm
f) Toxaster retusus - Kreide/Hauterivium - Narcy (Frankreich) - größter Durchschnitt: 29 mm
g) Toxaster peroni - Kreide/Barremium - Cap Rhir (Marokko) - größter Durchschnitt: 32 mm
h) Phyllobrissus pulvinatus - Mitteljura/Callovium - Montagne-au-Perche (Frankreich) - größter Durchschnitt: 23 mm
i) Philolectypus sarthacensis - Mitteljura/Callovium - Chaufour-Notre-Dame (Frankreich) - größter Durchschnitt: 35 mm
j) Hemiaster punctatus - Kreide/Campan - Brie-sous-Archiac (Frankreich) - größter Durchschnitt: 12 mm

fossiele zee-egels
a) Pseudogibbaster (tercensis) - Tertiär/Paläozän - (Frankreich) - größter Durchschnitt: 49 mm
b) Echinocorys sp. - Kreide - Aggersund (Dänemark) - größter Durchschnitt: 55 mm
c) Encope californicus - Tertiär/Miozän - (Californien - USA) - größter Durchschnitt: 96 mm
d) Stekels van Paracidaris sp. - Oberjura/Oxfordium - Novion-Porcien (Frankreich) - größte Länge:  53 mm
e) Proescutella marginalis - Tertiär/Eozän - Couquèques (Frankreich) - größter Durchschnitt: 23 mm
f) Acrosalenia hermicaroides - Mitteljura - Landaville (Frankreich) - größter Durchschnitt: 13 mm

fossiele zee-egels
a) Reboulicidaris rebouli - Unterjura - Hohe Atlas (Marokko) - größter Durchschnitt: 42 mm
b) Hemicidaris koenigi - Oberjura - Wimereux (Frankreich) - größter Durchschnitt: 30 mm
c) Micraster decipiens - Kreide/Turon - Acker bei Escalles (Frankreich) - größter Durchschnitt: 45 mm

Text und Fotos: Jan Weertz; Übersetzung: Jan und Els Weertz
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